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Neuigkeiten und Interessantes aus Tirol
Aktualisiert: vor 30 Minuten 9 Sekunden

Eine lebendige Tiroler Tradition: das Krippeleschaug’n – Teil II

Mo, 01/18/2021 - 09:02

Unsere Reihe Krippeleschaug’n geht weiter: in den Dörfern Absam und Thaur besichtigten wir jeweils die Krippen in den beiden Pfarrkirchen, sowie zusätzlich in Absam die moderne Krippe am Dorfplatz und in Thaur die Krippe in der Romedikirche.

Das Krippendorf Thaur und seine bekannten Künstler

Bildhauer und Figurenschnitzer

Die berühmtesten Thaurer Krippenschnitzer waren Johann Giner d. Ä. und der gleichnamige Sohn Johann Giner d. J.. Der erfolgreichste Imitator von Giner-Figuren war Johann Laimgruber, genannt Mundi. Mundi war hauptberuflich Salzbergarbeiter und wendete seine gesamte Freizeit für die Schnitzerei von Krippenfiguren auf. Weiters haben sich noch Johann Plank und Romed Riedmüller als Schnitzer einen Namen gemacht. Einer der bekanntesten ortsansässigen Bildhauer der jüngeren Zeit war Meister Romed Speckbacher sen.. Sein gleichnamiger Sohn führte die Tradition der alten Krippenschnitzer und der Thaurer Krippenkunst fort.

Künstler von Krippenbergen und Hintergründen

Über die Ortsgrenzen hinaus bekannt ist der Thaurer Einsiedler Felix Zimmerling. U.a. hat er auch den Krippenberg der Absamer Kirchenkrippe gestaltet. Durch seine Reise nach Palästina im Jahre 1852 wurden die Tiroler Krippenberge und -hintergründe in orientalischem Stile beeinflusst und verändert. Als Maler von Krippenlandschaften (Hintergrund) sind folgende Thaurer Künstler besonders erwähnenswert: Andrä Leitl, Pranz Pernlochner III. sowie dessen Sohn.

Die Weihnachtskrippen in Thaur

Neben den wunderbaren Krippen in der Pfarrkirche sowie der Schlosskirche finden wir in Thaur die älteste Hauskrippe, die uns in Tirol erhalten blieb, nämlich beim Maxenbauern. Sie stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts!

Wegen des Prunkes der Kleider und der reichen Stickereien zählt die Barockkrippe in der Romedikirche zu den größten und wertvollsten Kirchenkrippen. Die geschichtlichen Hintergründe zur Romedikirche oder Schlosskirche, wie sie auch genannt wird, kann auf der Seite unserer Kraftorte nachgelesen werden. Die große Weihnachtskrippe füllt den gesamten Altarraum aus und wird aufgrund des großen Aufwandes nur im Zweijahresrhythmus aufgestellt. Insgesamt umfasst die Krippe ca. 150 Figuren (inklusive Tiere). Manche Figuren sind doppelt vorhanden, wie zB die Hl. Familie: einmal im Nazarenerstil und einmal im Barockstil. Die ältesten barocken Figuren der Krippe sind die Engel mit Wachsköpfen und Glasaugen von 1740, die aus diversen Damenstiften stammen. Alle weiteren bekleideten Figuren (ebenfalls mit Wachsköpfen und Glasaugen versehen) stammen von Johann Giner d.Ä., Franz Pernlochner I. und Johann Höpperger. Ende des 19. Jahrhunderts schuf Johann Farbmacher einen völlig neuen Krippenberg. 1880 malte der Künstler Franz Pernlochner den Hintergrund für die Barockkrippe.

Weihnachtsdarstellung nach einer Idee von Erich Steinlechner und Pfarrer Haider

In den anderen Jahren wird in der Romedikirche am rechten Seitenaltar eine Weihnachtsdarstellung auf einem gemalten Kulissenaufbau von Erich Steinlechner aus den Jahr 2010 gezeigt. Neben dem damaligen Pfarrer Paul Haider (+ 2014), war Steinlechner der Ideengeber für diese kleine Krippe, um jährlich das Weihnachtsgeschehen anschaulich darstellen zu können. Die 40 cm hohen Figuren wurden bei der Firma Heide (Heinrich Demetz) in Gröden (Südtirol) in Auftrag gegeben. Sie bestehen aus hölzernen Gliedmaßen, die auf einem Drahtgestell montiert sind und anschließend mit leimgetränkten Stoffen bekleidet und bemalt bzw. gefasst wurden. Dadurch wirken die Figuren sehr realistisch. Eine Besonderheit stellen auch die mit echter Schafwolle ausgestatteten Schafe dar. Johann Staud hat sich für uns Zeit genommen und erzählt uns in einem Video spannende Details zur kleinen Weihnachtskrippe:

Die Romediuskirche ist an Sonn- und Feiertagen vom 1. Adventsonntag bis zum Weißen Sonntag (Sonntag nach Ostern) von 13:00 bis 17:00 Uhr für eine Besichtigung der Krippen (Fastenkrippe) zugänglich.

Weihnachtskrippe in der Thaurer Pfarrkirche

Die figurale Ausstattung der Krippe der Pfarrkirche in Thaur stammt im Wesentlichen von Johann Giner d. Ä.. Johann Laimgruber ergänzte einige Figuren. Der heutige Krippenberg stammt aus der Hand von Johann Farbmacher und den Hintergrund dazu schuf Franz Pernlochner III. am Ende des 19. Jahrhunderts. Bei dessen Restaurierung konnte man eine weitere Landschaftsmalerei entdecken, welche auf Andrä Leitl zurück geht.

Das Krippendorf Absam

In Absam wollen wir euch heute zwei Krippen präsentieren:

Erstens die traditionelle Kirchenkrippe in der Absamer Basilika und zweitens die moderne Dorfkrippe beim Gemeindeamt.

Weihnachtskrippe in der Basilika

Alle Jahre wieder ist das Krippeleschaug’n in Absam in der Basilika ein Höhepunkt für “Krippeleschauger”. Glücklicherweise ist die aus 70 Figuren bestehende Krippe die ganze Woche hindurch von 7.30 Uhr morgens bis 19.30 Uhr abends zugänglich. Vielen Dank dafür, liebe Absamer! Außerdem können interessierte BesucherInnen hautnah mitverfolgen, wie sich die Krippe im Laufe des Geschehens wandelt und fast auf Tuchfühlung gehen.

Wow! Selten sieht man beim Krippeleschaug’n eine Krippe dieses Ausmaßes! Gesichert durch eine Alarmanlage und geschützt hinter einer gläsernen Abschrankung sind die von Johannes Nepomuk Giner d. Ä. (1756 – 1833) geschnitzten Figuren auf Augenhöhe und aus nächster Nähe zu bestaunen. Die bis zu 40 cm hohen, aus Holz geschnitzten und gefassten Figuren bestechen vor allem durch ihr „echtes“ G´schau: So hat Giner die Figuren mit Glasaugen ausstaffiert und demnach sehr lebendig und echt aussehen lassen. Prächtig sind weiter vor allem Giners Engel, halbnackt oder schulterfrei und in voller Bewegung, quasi beflügelt und dank einer Porzellanfassung wahrlich himmlisch anmutende Figuren. Halleluja! Übrigens, wer suchet, der findet in der Gestalt eines Müllers einen wichtigen Sponsor der Krippe, wie wir heute sagen würden. Ein Gönner der früheren Zeit, vergleichbar mit einem Stifter.

Felix Zimmerling (1812 – 1869), ein Eremit aus Thaur, war wohl einer der ersten Pilger, der 1852 ins Heilige Land gereist ist. Er hat den Absamer Krippenberg geschaffen. Kein Wunder also, dass sich das Heilsgeschehen vor orientalischer Kulisse präsentiert. Nur durch die Erzählungen von Pilgern und Reisenden konnte eine orientalische Krippe entstehen. Ein wichtiger und interessanter Wandel in der Tiroler Krippentradition.

Besonderer Hintergrund für die Krippe

Bemerkenswert ist auch der Hintergrund der Krippe: Der als Maxenmaler bekannte Josef Strasser (1827 – 1890) aus Absam zeichnet sich dafür verantwortlich. Oftmals geschnitzt und über dem Hintergrund angebracht hat er die Gloriole mit Gott Vater und den Engeln direkt auf den Hintergrund gemalt.

Einzigartig sind die neuen, im barocken Stil geschaffenen Vitrinen links der Krippe. Sie zeigen zwei Szenen, die Beschneidung Jesu sowie die Verehrung des Namens Jesu durch die damals bekannten vier Erdteile Europa, Amerika, Asien und Afrika (Australien war zu diesem Zeitpunkt noch nicht entdeckt): Ein bekanntes Frauengesicht ist in der Gestalt von Europa zu erkennen, keine geringere als Maria Theresia stand sozusagen Patin für unseren Kontinent!

Ein großer Dank sei an dieser Stelle erstens an Waltraud Willard und auch an Werner Willard vom Absamer Krippenverein ausgesprochen. In unserem Video erzählt uns Werner für das Krippeleschaug’n in Absam mehr von der Absamer Kirchenkrippe:

Schon wieder begegnen wir Josef Bachlechner…

Über dem Hauptaltar der Basilika ist übrigens (schon wieder!) ein von Josef Bachlechner d. Ä. geschnitztes Jesukind zu bewundern. Der in Hall um 1900 werkende Bildschnitzer war im ganzen Land bekannt und hat überall seine Jesukinder, äh… Spuren, hinterlassen.

Krippeleschaug’n in Absam: Die Absamer Dorfkrippe

Wem noch nicht zu kalt ist und noch Lust auf mehr hat, empfehlen wir, einen Spaziergang von der Absamer Basilika zum Dorfplatz zu machen. Dort ist eine moderne Krippe von Johannes Obleitner zu sehen, die in jedem Fall reizvoll, wenn auch anders ist. Ein völlig neuer Zugang zum Heilsgeschehen ist hier vom Absamer Künstler gewählt worden. Die 2007 geschaffene Skulpturengruppe verzichtet ganz bewusst auf Sentimentalität. Materialien wie Beton und Stahl verleihen der Krippe eine kühle Eleganz, die den Betrachter in eine nachdenkliche Stimmung versetzen. Das Jesukind ist auf ein Kreuz gebettet, Vorzeichen des bevorstehenden Schicksals des göttlichen Kindes? Die drei Weisen aus dem Morgenland in Gestalt eines Astronomen, Mystikers und Glaubenden bieten mittels Symbolik verschiedene Wege an, die Komplexität des Geschehenen zu verstehen: So lässt eine Glaskugel in der Hand eines Königs in die Zukunft blicken. Gloria in excelsis deo!

Das Krippeleschaug´n geht weiter…

Nach dem Krippeleschaug’n in Absam und Thaur besuchen wir nächste Woche die Dörfer Baumkirchen, Fritzens, Volders und Wattens und sind schon gespannt, welche Krippenschätze uns dort erwarten.

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Eine lebendige Tiroler Tradition: das Krippeleschaug’n

Mo, 01/11/2021 - 04:41

In der Region Hall-Wattens – genauer gesagt in Tulfes, Hall und Thaur – gibt es alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit einen ganz besonderen Schatz zu bestaunen: Die drei ältesten Krippen des Landes, ja und wahrscheinlich sogar Mitteleuropas befinden sich in der Pfarrkirche von Tulfes (1608), der Jesuitenkirche in Hall (1609) und dem Maxnhof in Thaur (1. Hälfte 17. Jh.). Normalerweise können diese Krippen auch beim Krippeleschaug’n bewundert werden.

Die drei ältesten Krippen Mitteleuropas

Die Entstehung dieser Krippen reicht also zurück in die Barockzeit und in die Zeit der Gegenreformation. Umso weniger erstaunlich ist es, dass die Jesuitenkirchen bzw. -klöster in Hall und Innsbruck die ersten waren, die im Besitz einer solchen waren.

Von der Tiroler Krippe bis zur orientalischen Krippe

Diese Krippen wurden im Tiroler Stil geschaffen, erst mit den ersten Pilgerreisen entstanden Krippen im orientalischen Stil. Der Thaurer Einsiedler Felix Zimmerling war einer der ersten, dessen Reise ihn im Jahre 1852 ins Gelobte Land führen sollte.

Auch waren die ersten Krippen Kloster- oder Kirchenkrippen. In adeligen oder großbürgerlichen Haushalten gab es in seltenen Fällen private Krippen. Die älteste noch erhaltene, private Krippe ist jene am Maxnhof in Thaur, der ganze Stolz der Familie Huetz.

Die Tradition des Krippeleschaug’ns

Seit Jahrzehnten wird das Krippeleschaug´n in Tirol gepflegt und führt interessierte BesucherInnen von Nah und Fern üblicherweise zwischen dem Stefanitag (26.12.) bis Mariä Lichtmess (2.02.) in private Haushalte. Stolze KrippenbesitzerInnen gewähren Einlass in ihre guten Stuben und erzählen, wie ihre Krippen in den Haushalt gelangt sind. Dabei erfährt man viel Wissenswertes über Entstehungszeit, Bauart, Hintergrund, Berg und Figuren, deren Schnitzer und Bedeutung. Bei selbstgebackenen Keksen oder Stollen und einem gemeinsamen Gloria wird angestoßen und auf aller Wohl getrunken. So will es der Brauch!

Da es in dieser Weihnachtszeit keine Krippenausstellungen und Umgänge in den privaten Wohnhäusern geben wird, möchten wir mit diesem Blog einen kleinen Eindruck der Schätze vermitteln, die es trotz Covid-19 an den Sonn- und Feiertagen in den jeweiligen Kirchen zu entdecken gibt. Einzelne Persönlichkeiten aus den Dörfern Tulfes, Thaur und Absam erzählen uns in einem Video über ihre jeweiligen Krippen:

Restaurator Willi Ghetta erzählt über die Tulfer Dorfkirche

Josef Bachlechner der Ältere

Ist von Krippen und Tiroler Brauchtum und Tradition die Rede, so darf ein ganz besonderer Mann und Künstler nicht vergessen werden: Josef Bachlechner der Ältere (1871-1923). Der in Bruneck geborene Südtiroler Bildhauer unterhielt in Hall eine große Werkstätte (ehem. Dietl), nach ihm ist heute noch die Bachlechnerstraße benannt. Der vor allem in neugotischem Stil schaffende Künstler hat die Krippe in Tirol mehr oder weniger in jeden Haushalt gebracht.

Eine kleine Anekdote über Bachlechner

Als tiefgläubiger Mensch soll er jeden Arbeitsgang mit „In Gottes Namen“ begangen haben. Seine zukünftige Frau wollte Bachlechner prüfen und erzählte ihr während eines weihnachtlichen Spaziergangs durch Tulfes, dass er hier im Ort ein fünfjähriges Büblein hätte, das keine Mutter mehr hätte. Die junge Frau zögerte angeblich nur kurz und meinte, gemeinsam würde man das Kind schon schaukeln. Woraufhin Bachlechner seine Braut zum Hochaltar der Pfarrkirche geführt haben soll, wo das fünf Jahre zuvor geschnitzte Jesukind zu sehen war. Natürlich waren die beiden glücklich bis ans Ende ihrer Tage!

Tipp: Das Jesukind in der Pfarrkirche Tulfes ist seit 24.12. zu bewundern.

Besondere Krippen in Hall

Spaziert man von der Krippgasse westwärts Richtung Bachlechnerstraße, kommt man am Wohnhaus der Familie Bachlechner vorbei, an dem noch heute ein bemerkenswertes, neugotisches Kruzifix zu bestaunen ist.

Krippeleschaug’n: Pfarrkirche St. Nikolaus

Betritt man die Pfarrkirche St. Nikolaus über den Haupteingang im Westen, kann man weitere Arbeiten des Bildschnitzers beim Krippeleschaug’n bewundern: Am Katharinenaltar im nördlichen Seitenschiff ist eine Krippe des Künstlers zu sehen, die 2017 von Michael Schretthauser restauriert wurde: Das in eine Windel gehüllte, in der Krippe liegende Christuskind wird von zwei Engeln beschützt, die vor allem durch kunstvolle, Pfauenfedern nachempfundenen Flügel bestechen. Ganz im Sinne der Neugotik sind Haare, Locken und Gewandfalten zackig ausgeführt.

Die beiden Engel in der Kapelle zu Ehren Unserer Lieben Frau (Waldaufkapelle) am Ende des nördlichen Seitenschiffes, die den Schutzmantel der Madonna halten, wurden der um 1480 aus der Pacherschule stammenden Marienfigur von Josef Bachlechner hinzugefügt, also über 400 Jahre später (!). Das Gesamtkunstwerk besticht durch ganz besondere Harmonie und Liebreiz.

Tipp: Auch in der Haller Franziskanerkirche am Stadtgraben erwartet den Liebhaber des Krippeleschaug’n ein Bachlechner´sches Werk: Gleich rechts nach dem Haupteingang ist eine liebliche, großflächige Darstellung der Geburt Christi als Wandmalerei zu finden!

Bretterkrippe von Andreas Crepaz

Ebenfalls sehenswert ist die Bretterkrippe von Andreas Crepaz (1923) am Hochaltar der Pfarrkirche von Hall. Bretterkrippen entstanden vor allem in Zeiten der Not, des Hungers, vielfach aus Mangel an finanziellen Mitteln. Die Krippe des ladinischen Künstlers wird jedes Jahr am Hochaltar der Pfarrkirche aufgestellt und besteht aus 11 Teilen. Neben der Hl. Familie, Ochs und Esel, vier Hirten und drei Schafen sind außerdem fünf Engel dargestellt. Die insgesamt 17 Figuren sind auf Holzbrettern gemalt und noch immer in sehr gutem Zustand. 

Ein wertvoller Tipp für BastlerInnen: Die Krippe ist noch immer als Ausschneidebogen erhältlich! Vor allem für jene, die wenig Platz haben, eine Möglichkeit, nicht nur Krippeleschaug’n zu gehen, sondern sich auch eine historische Krippe ins Haus zu holen.

Gotische Schnitzkunst

In der Magdalenenkapelle südöstlich der Pfarrkirche, der ehemaligen Friedhofskapelle von Hall, ist ein weiteres Kleinod der Krippenkunst zu bewundern: In der Prädella des Flügelaltars (2. Hälfte 15. Jh.) ist gotische Schnitzkunst vom Feinsten zu entdecken. Nach Beendigung der Fastenzeit, zu der eigentlich auch die Adventzeit gehört, in der die Flügel des Altars traditionell verschlossen bleiben, ist der Blick auf die Heilige Familie nun wieder frei. Außerdem treten Ochs und Esel im Halbrelief aus dem Hintergrund hervor. Weiter gibt eine männliche Figur rechts hinten bis heute Rätsel auf. Handelt es sich hierbei um die Figur des Altarstifters? Flankiert wird die Geburt Christi durch die Hll. Barbara und Agnes, zu erkennen an ihren klassischen Attributen, dem Turm für die Hl. Barbara, und dem Lamm für die Hl. Agnes.

Krippeleschaug’n: Jesuitenkirche

Die wohl wertvollste Haller Krippe, weil zweitälteste Barockkrippe Tirols (1609), ist von FR bis SO jeweils von 11 bis 18 Uhr in der Jesuitenkirche am Stiftsplatz zu sehen. Sie befindet sich in der linken Seitenkapelle (2. Hälfte 17. Jh.), welche dem Hl. Franz Xaver geweiht ist. Die Krippe wird alle Jahre wieder von der Haller Sakramentsgarde, den „Partisanern“, aufgestellt. Die dem Pestheiligen geweihte Kapelle wurde in ihren Maßen sogar nach der Krippe konzipiert, welche auf eine Stiftung durch die Marianische Kongregation der Herren und Bürger zurückzuführen ist.

Holzkopf statt Wachskopf

Die Heilige Familie stellt die älteste Figurengruppe dar und datiert in die Ursprungszeit der Stiftung. Besonders ist der Umstand, dass das Jesukind und die Köpfe von Maria und Josef aus Wachs geschaffen wurden. Der Kopf des Hl. Josef ging allerdings 1890 zu Bruch und wurde durch einen hölzernen ersetzt. Die Krippe besteht aus insgesamt 17 bekleideten Figuren und dem Jesukind. Aufwändig sind vor allem die barocken Gewänder der drei Engel. Selten ist auch die Darstellung von Ministranten, die sich um einen Hohepriester scharen. Der Umstand, dass die Dienerschaft kleinfigurig gehalten ist, hat weniger mit der Aufstellung bzw. Platzierung der Figuren innerhalb der Szenerie zu tun als vielmehr mit ihrer geringer eingeschätzten Bedeutung zu tun. Umso prächtiger und größer sind die Figuren der Heiligen Drei Könige ausgefallen!

Der Haller Kunstmaler und Restaurator Franz Xaver Fuchs gestaltete 1938 den Hintergrund der Krippe und passte ihn der Gewölbesituation der Kapelle an. Weiter war er selbst treues Mitglied der Marianischen Kongregation.

Fein, dass ihr im ersten Teil dabei wart. Im zweiten Teil von unserem virtuellen Krippeleschaug’n entführen wir euch in die beiden Dörfer Thaur und Absam.

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Hall erzählt Geschichte(n) – Teil II

Mo, 01/04/2021 - 09:00
Sigmund der Münzreiche und sein weltberühmter Guldiner

Durch den sogenannten Hofratsgarten spazieren wir zum Unteren Stadtplatz, wo Sigmund der Münzreiche uns schon von weitem begrüßt.

Rudolf Reinhart (1897-1975), ein aus Steyr in Oberösterreich stammender Spenglermeister, studierte im zweiten Bildungsweg an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Professor Anton Hanak. Er hat die Plastik auf der Brunnensäule des Platzes im Jahre 1933 geschaffen. Die Figur des Tiroler Landesfürsten ruft uns die für Hall so wichtige, historische Persönlichkeit des Sigmund des Münzreichen in Erinnerung: Im Jahre 1477 lässt der Regent aus dem Hause Habsburg die Münzprägestätte von Meran nach Hall verlegen.

Schwaz, die „Mutter aller Bergwerke“, lag näher bei Hall und war zumindest über den Flussweg leichter zu erreichen. So wurde Schwazer Silber nach Hall getreidelt: Flache, von Pferden gezogene Boote (Zillen, Plätten) transportierten das kostbare Edelmetall in drei mühevollen Tagesetappen vom größten Silberbergwerk Europas zur Kopfstation der Schifffahrt bzw. des Flusstransports nach Hall, wo es zu Guldinern verprägt wurde. Die erste Großsilbermünze oder der erste Taler der Welt, Jahrhunderte später auch Namensgeber des amerikanischen Dollars, sollte um die Welt gehen. Die heutige Burg Hasegg war unter Sigmund zu einer geschlossenen Burganlage ausgebaut worden. Noch heute erinnert der qualitätsvolle, von Niklas Türing geschaffene Wappenstein aus Sandstein über dem Münzertor daran (1489).

Reinharts Spuren in Hall

Oft unbemerkt bleibt die Fortsetzung der Inschrift am Sockel der Brunnenfigur auf der Rückseite: Rudolf Reinhart, dem es als „Zuagroasten“ im Hall der Zwischenkriegszeit an Aufträgen mangelte, musste seine Nachbarn um Geld anbetteln. Seine persönliche Rache am Haller Bürgermeister ist wie folgt ausgefallen: Herzog Sigmund D. Münzreichen schaffte (!) I. Jahre 1933 Rudolf Reinhart D. Münzarme

Erst viel später erteilte die Stadt Hall dem Kunsthandwerker Aufträge im öffentlichen Raum: Sechs Gassenschilder (1958) sowie die Brunnenfigur Erzherzogin Magdalenas am Stiftsplatz (1952) stammen aus der Hand desselben Künstlers, der im Jahre 1932 sogar die Weltausstellung in Paris gewonnen hatte (Hl. Christophorus). Auch der Löwe über dem Salzburger Festspielhaus ist ein Werk Rudolf Reinharts. Zudem erinnern zahlreiche Geschäftsschilder in der Stadt an den Wahlhaller, der am Haller Friedhof 1975 seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Sein zu Lebzeiten selbst gestaltetes Grab, das den Menschen als Skelett zeigt und sinnbildlich für die Vergänglichkeit des Lebens steht, sticht sofort ins Auge.

Die zwei ältesten Gassen der Stadt

Vom Unteren Stadtplatz aus öffnet sich unser Blick in die zwei ältesten Gassen der Stadt: die Salvatorgasse, einst Marktgasse genannt, weil die Bauern mit ihren Fuhrwerken hier durchzogen, um ihre Feldfrüchte in der Stadt zu verkaufen. Und die Schmiedgasse, die wie der Name schon sagt, die eiserne Zunft der Schmiede beherbergte. Werkstatt war hier an Werkstatt gereiht, nicht nur Huf-, auch Wagenschmiede führten hier ihr Handwerk aus. Noch heute erinnern alte Reitersteine daran, dass die Rösser zum Beschlagen in der Gasse festgebunden waren. Das Beschlagen der Pferde war wichtig, waren die Gassen im Mittelalter meist morastig. So muss man sich das Niveau der Gassen vor Jahrhunderten um einiges niedriger vorstellen, wovon die scheinbar tiefliegenden Haustüren heute noch Zeugnis ablegen. Kanalisation und Pflasterung haben das Niveau der Gassen um einiges erhöht.

Die Geschichte des Fasserrössl

Wichtige Kunden der Hufschmiede waren die Fassbinder oder kurz Fasser genannt. Diese Zunft war über Jahrhunderte eine sehr reiche ihrer Art. Viele Waren wurden in Fässern gelagert und vor allem transportiert, wie zum Beispiel das kostbare Weiße Gold sowie Wein und Bier. Eine Obere, Mittlere und sogar Untere Fassergasse (heute Amtsbachgasse) gab es westlich der Altstadt und des Stadtgrabens. Der Bedarf an Fässern war groß, es bedurfte jahrhundertelang immer wieder neu hergestellter Behältnisse. Waren die Fässer einmal verkauft, waren sie auch “verloren”. Recycling gab es im Mittelalter ja noch keines. Das Fasserrössl, ein alter Haller Brauch, der in Hall heute nur noch am Rosenmontag im Innenhof des Rathauses zur Aufführung gelangt, erinnert noch an die Bedeutung der reichen Fasser. Zu viele Schäden hat es jedoch in Gaststuben und Wirtshäusern durch die wilden, „eisernen“ Gesellen gegeben. So wurde während der Aufführung meist einem der (prominenten) Zuschauer ein glühendes Hufeisen auf die Schuhsohle genagelt (!):

Der Fassbinder bzw. Reiter auf seinem (hölzernen) Ross wird von einem Fütterer und dem Wirt begleitet. Schmiedemeister, Gesellen und Lehrbuben bemühen sich vergeblich, das Ross zu beschlagen. Immer wieder geht es durch, es herrscht ein wildes Treiben, ein Schauspiel für alle Schaulustigen, die diesem bunten Treiben folgen. Die Schmiede stürzen zu Boden und laufen dem Ross nach, um es wieder einzufangen. Typisch ist vor allem auch der raue Umgangston, den Meister, Geselle und Lehrbub untereinander„pflegen“.

Im nächsten Teil unserer Serie spazieren wir über die Schwaighoferstiege zum Stiftsplatz, der ehemaligen Burg Sparberegg. Auch dort warten spannende Geschichten auf uns!

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Neujahrs-Entschuldigungskarte 2021: Sinn- und kunstvoll schenken!

Mi, 12/23/2020 - 08:42
Die Neujahrs-Entschuldigungskarte 2021

Die Neujahrsentschuldigungskarte als Tradition zu Neujahr verbreitete sich in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und in Bayern seit 1814. Sie sollte damals von der lästigen Verpflichtung entbinden, zum Neujahr persönlich gratulieren zu müssen. Jährlich gestalten sie regionale Künstlerinnen und Künstler. Sie wird dann zum festgelegten Preis von EUR 100.- einem guten Zweck zugeführt. Die in Hall lebende Künstlerin Barbara Fuchs hat die Haller Neujahrs-Entschuldigungskarte 2021 gestaltet. Die Auflage ist wie jedes Jahr mit 200 Stück streng limitiert.

Technische Details zur Karte:

Es handelt sich um einen zweifärbigen Holz-Linolschnitt auf Bütte Rosaspina 220 gr von Fabriano, Blattgröße: 25 x 35 cm mit einseitigem Büttenrand und Wasserzeichen, Auflage 200, nummeriert und signiert.

Der Holzschnitt ist in grau gehalten, darüber wurde in schwarz der Linolschnitt mit der eigentlichen Zeichnung gedruckt.

Thema der diesjährigen Neujahrs-Entschuldigungskarte

Das Thema der Karte greift dem großen Jubiläum im kommenden Jahr 2021 vor: Dann nämlich feiert die Salinenmusikkapelle Hall ihr 200jähriges Bestandsjubiläum. Die ehemalige Salinenstadt Hall (bis 1967) steht in enger Verbindung zu einer der meistverehrten Bergheiligen, der Hl. Barbara von Nikomedien. Sie ist daher auch die Schutzpatronin der Salinenmusik.

Die 29 Knöpfe der Hl. Barbara

Die Legende erzählt, dass Barbara aufgrund ihres christlichen Glaubens vom eigenen Vater in einen Turm gesperrt wurde. Wie durch ein Wunder hätten sich drei Fenster aufgetan und die junge Frau konnte fliehen und sich voerst in eine Berghöhle retten. Dann aber verrät ein Hirte, der alles beobachtet, die junge Christin. Daraufhin wird Barbara dem Vater ausgeliefert, gefoltert und schließlich enthauptet. Turm, Schwert und Kelch sind die Attribute der Heiligen, die ihren Märtyrertod im Alter von nur 29 Jahren (!) erlitt. Der Festtag der Heiligen Barbara ist der 4. Dezember. Bis heute werden Barbarazweige (Kirschzweige) am selben Tag geschnitten und verschenkt. Meist erblühen die Zweige am Heiligen Abend und gelten als Glücksbringer für das Neue Jahr.

Die Uniform der Haller Salinenmusik ist mit 29 Knöpfen versehen und entspricht demnach den 29 Lebensjahren der Heiligen Barbara. In Hall erinnert uns noch heute einiges an diese für die Region wichtige und beliebte Bergheilige. Die Barbarasäule am Eingang des Salinenparks ist ein Denkmal, das an 700 Jahre Bergbau erinnert: Knappen vom Silbernen Hansl im Karwendelgebirge stifteten sie als Geschenk an ihre Kollegen, die Knappen im Halltal. Würfel bzw. Kapitell und Sockel der Säule sind noch original aus dem Jahre 1486 erhalten, und die einst eingestürzte Säule wurde anlässlich der 600-Jahr-Feier der Stadt Hall 1903 erneuert.

Ein soziales Geschenk

Der Reinerlös dient wie jedes Jahr einem guten Zweck. Es werden heuer Frizzey Light in Nepal unterstützt, außerdem die Vinzenz-Vereine in Hall, Absam, Mils sowie Thaur .

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Hall erzählt Geschichte(n)

Di, 12/22/2020 - 09:07
Hall in einer besonderen Weihnachtszeit

Die einzigartige Weihnachtsbeleuchtung in den Gassen und auf den Plätzen, Christbäume da und dort und liebevoll dekorierte Schaufenster mit ganz besonderen Geschenksideen lassen auch in diesem Jahr die Herzen all jener höher schlagen, die in vorweihnachtlicher Stimmung etwas ganz Besonderes suchen.

Hall IST besonders. Die Stadt ist nicht nur Einkaufsparadies für all jene, die Einkaufszentren trotzen und kleine Geschäfte bevorzugen und fördern. Hall erzählt Geschichte(n). Auf einem Rundgang durch die Stadt kann diesen Geschichten und Anekdoten noch immer nachgespürt werden.

Unser Stadtrundgang beginnt…

Vom Unteren Stadtplatz zum Münzerturm

Idealer Ausgangspunkt für einen abendlichen Rundgang ist das Tourismusbüro am Unteren Stadtplatz 19. Im Eingangsbereich des gläsernen Kubus liegen Stadtpläne zur allgemeinen Orientierung für Nicht-Ortskundige auf. Gleich hier geht´s los! Der Münzerturm, Halls Wahrzeichen leuchtet schon von Weitem. Der markante, zwölfeckige, 45 Meter hohe Turm überstrahlt das ehemalige Salinenareal. Hier beim ehemaligen „Pfannhauseck“ (Burg Hasegg) wurde jahrhundertelang Sole versotten, zuerst in frei stehenden Pfannen, dann in Sud- oder Pfannhäusern, zuletzt im heutigen Medienturm, wo sich bis zur Stilllegung des Bergbaus im nahegelegenen Halltal (1967) eine Thermokompressionsanlage befand. Das mit Wasser im Halltal gelaugte Salz wurde als gesättigte Sole vom Berg ins Tal geleitet, floss durch eine fast 10km lange Holzrohrleitung nach Hall, um in der Saline verkocht bzw. -sotten zu werden. Unmengen an Holz wurden aus dem Oberinntal nach Hall getriftet, im Holzrechen (seit 1307) aufgefangen und zu den Pfannen bzw. später Pfannhäusern verbracht. Noch heute werden die Stadtteile westlich und östlich des Rechens, dessen Reste gerade jetzt in der Winterzeit im Inn zu sehen sind, Obere und Untere Lend (ursprünglic “Lände”) genannt. Im 19. Jahrhundert sollte Holz als wichtigster Engergielieferant durch Kohle aus Bad Häring abgelöst werden, im 20. Jahrhundert wurde die Versiedung elektrifiziert (s.o.).

Unsere erste Geschichte:

Der Sage nach haben Jäger im Halltal vor rund 700 Jahren beobachtet, dass das Rotwild, welches seinen Durst in Lachen rund um den Wildanger löschte, besonders gut gedieh. Als die Waidmänner einmal das Lagerfeuer mit Quellsole aus eben diesen Lachen löschten und die funkelnden Salzkristalle auf den die Feuerstelle umgebenden Steinen sahen, wurden sie neugierig. So wurden schon im 13. Jahrhundert unter der fachmännischer Leitung von Ritter Nikolaus von Rohrbach erste Stollen in den Wildanger vorgetrieben und das später genannte „Weiße Gold“ entdeckt, welches der Stadt Hall großen Reichtum bescheren sollte.

Der Münzerturm

Der Erste Taler der Welt wurde hier 1486 geprägt! Eine Großsilbermünze aus Schwazer Silber, die um die Welt gehen sollte. Noch heute kann man hier tagsüber der Vergangenheit nachspüren und im gleich mehrfach ausgezeichneten Museum Münze Hall eine spannende Zeit verbringen. Ein Erlebnis für Alt und Jung!

Wir spazieren südlich des Münzerturms über das Münzertor in den Innenhof der Burg Hasegg, die im 15. Jahrhundert unter den Habsburgern zu einer geschlossenen Befestigungsanlage ausgebaut wurde. Noch heute erinnert der qualitätvolle Wappenstein über dem Münzertor an Sigmund den Münzreichen, der im Wesentlichen für den Ausbau der Anlage im Jahre 1489 verantwortlich zeichnet. Kein geringerer als der Hofsteinmetz der Habsburger, Niklas Türing, wurde für die Ausführung des aus Sandstein gefertigten Wappensteines beauftragt. Der Blick durch Halls noch einzig erhaltenes Stadttor auf den Turm der Pfarrkirche St. Nikolaus und das Karwendel im Hintergrund ist atemberaubend! Bei Tag und bei Nacht.

Ständiger Wegbegleiter, der Heilige Johannes Nepomuk

In der auf der Nordseite des Innenhofs befindlichen Wandnische treffen wir auf einen Heiligen, der hierzulande omnipräsent ist. Wer kennt ihn nicht, den Heiligen mit Birett, Hermelinschultermantel und Kreuz in der Hand, meist einen Zeigefinger auf seine Lippen gelegt? Johannes Nepomuk wird spätestens seit seiner Heiligsprechung 1729 als Schutzpatron der Brücken und der Schifffahrt verehrt. Im Alter von nur 43 Jahren musste Johannes Nepomuk sein Leben lassen, im Auftrag König Wenzels gefoltert und von der Karlsbrücke in Prag in die Moldau gestürzt. Er hatte das Beichtgeheimnis gewahrt, die Beichte der Königin und Gemahlin Wenzels für sich behalten, deshalb auch der Fingerzeig. Fünf Lichter sollen das Haupt des im Fluss treibenden Leichnams umgeben haben, ein Symbol für das lateinische TACUI (fünf Buchstaben): „Ich habe geschwiegen“.

Der Prager Dichter Rainer Maria Rilke schrieb:

„… Aber diese Nepomuken!
Von des Torgangs Luken gucken
und auf allen Brucken spuken
lauter, lauter Nepomuken!”

Der in Pomuk im heutigen Tschechien geborene Jurist und Generalvikar und damit hohe kirchliche Würdenträger im Prag des 14. Jahrhunderts ist in Hall allgegenwärtig: Wertvolle Fresken Josef Adam Mölks in Johannes- und Pfarrkirche und die Nepomukkapelle in der Unteren Lend am Inn, der einzige steinerne Altar der Haller Pfarrkirche (südliches Seitenschiff) rufen uns die Bedeutung des Heiligen stets in Erinnerung und stellen einen Bezug zur Haller Geschichte her. Viele Jahrhunderte hindurch war Hall Schauplatz von Überschwemmungen zur Zeit der Schneeschmelze. Erst die Errichtung eines Dammes am Nordufer des Inn (1950er Jahre) sollte die Stadt vor weiteren Hochwassergefahren und Überschwemmungen bewahren.

Schon bald gibt es weitere Geschichten und Anekdoten: Unser Spaziergang führt uns weiter von der Burg Hasegg zum Stiftsplatz. Besuchen Sie uns wieder und erfahren Sie u.a. Wissenswertes über das Schweizer Christkindl und seine magische Ausstrahlung!

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Alte Weihnachtstradition versus Popmusik

Mo, 12/21/2020 - 08:24
Herzgluat – junge Erfolgsband aus Tirol mit traditionellen Werten

Mutter Sonja und ihre drei erwachsenen Kinder Tabea, Jakob und Nora-Marie von der Tiroler Band Herzgluat sind auf Erfolgskurs. Im Frühjahr 2020 haben sie ihre erste CD unter dem Titel „Mei Zeit“ veröffentlicht und jetzt ein ganz besonderes Weihnachtslied zum alten Brauch der Rauhnächte. Dass vermehrt junge Menschen auf alte Traditionen wert legen und diese auch aktiv gestalten, berührt mich sehr. Viele von uns fühlen auf eine ganz persönliche Weise, dass die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig eine andere Zeit ist. Sei es, weil man mehr zu Hause ist und die Zeit mit Familie und Freunden genießt. Wir fühlen uns irgendwie „weihnachtlich“ und jeder von uns hat gewisse Rituale, die Halt geben. So ähnlich erging es unseren Vorfahren. Sie konnten sich nun von der Arbeit ausruhen, saßen zusammen in den warmen Stuben und erzählten sich Geschichten und Märchen.

Wie das Lied “Rauhnacht” entstanden ist und warum das Video ausgerechnet in der charmanten Altstadt von Hall gedreht wurde, verrät mir Sonja in einem Interview.

Sonja, kannst du uns mehr über die Idee zu eurem neuen Lied Rauhnacht erzählen?

Ganz zu Beginn der Entstehung des Titels „Rauhnacht“ stand ein Gefühl.
Nämlich das Gefühl einer undefinierbaren, fast mystischen Ruhe, welches  sich durch die verschärfenden Corona-Maßnahmen ganz tief drinnen eingestellt hatte. So entstanden zunächst die ersten Zeilen des Liedes. Aber schon bald wurde uns klar, dass unser Bedürfnis weiter reichte, als mit dem entstehenden Lied nur diese „neue Stille“ zu beschreiben. Die Sehnsucht nach dem Neuen, das hinter dem Ganzen bereits wartet und die Chance, diese Ruhe positiv zu nutzen, wurde dann der eigentliche Motor zu diesem Titel.
Die Rauhnächte stehen genau für diese Sehnsüchte: Die Sehnsucht nach Erneuerung, die „alten Geister vertreiben“, die uns in unserem Fortkommen behindern und den Blick auf das Kommende gerichtet halten. Von jeher haben die Menschen diese Bräuche und Rituale beim Übergang vom alten in das neue Jahr weitergetragen. Selbiges möchten auch wir mit unserem Lied vermitteln!

Warum hat sich Herzgluat für den Videodreh unsere Altstadt ausgesucht?

Hall ist einzigartig und besitzt einen wunderschönen mittelalterlichen Stadtkern, der in ganz Nordtirol kaum zu finden ist. Da wir mit unserem Video ein Gefühl von Mystik und gleichzeitiger Schönheit vermitteln wollten, erschien uns die Altstadt von Hall sehr passend. Das Video wurde in der Zeit des ersten Lockdowns gedreht. Dadurch konnten wir die Atmosphäre einer völligen Ruhe einfangen. 

Lebt ihr die Rauhnächte aktiv in eurer Familie?

Ja, die Rauhnächte haben in unserer Familie einen wirklichen Stellenwert. Es gibt 3 fixe Tage, an welchen der Weihrauch in unser Familienleben Einzug hält. Das ist zum einen der Heilige Abend. Schon beim Aufstehen und Einheizen des Kachelofens wird an diesem Tag der Weihrauch auf dem Herd verbrannt. Somit wissen alle: Heute ist Heiligabend!
Nach der Bescherung bzw. der Christmette geht die gesamte Familie gemeinsam mit der Weihrauchpfanne durch alle Zimmer des Hauses. Es ist ein Zeichen der Reinigung und Erneuerung in dieser besonderen Nacht.  Am Neujahrstag sowie an Dreikönig (der 6. Jänner ist übrigens der Geburtstag von unserem Sohn Jakob) wird ebenfalls Weihrauch auf dem Herd verbrannt, so dass es im ganzen Haus „himmelet“ – wie es die Kinder, als sie noch klein waren, immer bezeichneten.

Wie wird in eurer Familie das Weihnachtsfest begangen?

Es gibt einige Rituale an Weihnachten, welche in unserer Familie immer gleichbleibend gepflegt werden. Dazu zählt vor allem das Aufstellen der alten Familienkrippe am 23. Dezember. Die Figuren kommen dann im Laufe des Heiligen Abends hinzu. Nur das Christkind wird erst beim gemeinsamen Lesen des Weihnachts-Evangeliums in die Krippe gelegt. Früher, als die Kinder noch klein waren, gab es dazu eine kleine Lichterprozession. Unser Christbaum wird immer erst am frühen Nachmittag geschmückt. Die Stube wird bis zur Bescherung dann nicht mehr betreten. Vor der Bescherung ist das gemeinsame Essen noch ein wichtiger Fixpunkt. Genau wie früher steht bei uns traditionell die Nudelsuppe am Menüplan. Ergänzt wird dies mit kalten Platten.
Und was bei uns natürlich nie fehlen darf, ist die Musik! In den letzten Jahren haben wir vor der Bescherung für die Obdachlosen in Innsbruck Musik gemacht. Es waren eine unserer schönsten und stimmigsten gemeinsamen Weihnachtserfahrungen als Familie! Der Weihnachtsbesuch bei Oma, sowie das traditionelle “Gansl-Essen” sind dann die wesentlichen Elemente des 1. Weihnachtsfeiertages am 25.Dezember.

Gerne hätte ich das Interview persönlich geführt, um noch mehr, über die Familie Baumann und ihre Musik zu erfahren. Es ist schön zu hören, dass es für viele Familien in Tirol noch echte Weihnachtstraditionen gibt, die weit weg sind von Konsum und Hektik sind! Einfach Weihnachten wie es früher war …

Die Rauhnächte – ein alter Tiroler Brauch

Früher war es undenkbar, nicht nach den Regeln der Natur zu leben. Dies spiegeln Brauchtum und Tradition wider. Unsere Kultur ist vom christlichen Glauben geprägt – so auch die Zeit der Rauhnächte zwischen Weihnachten und Dreikönig.

Woher kommt der Name Rauhnacht?

Der Begriff leitet es sich von „rauch“ ab und damit ursprünglich von einem Begriff für „behaart, pelzig, von Fell bedeckt“. Unsere Vorfahren bezogen sich dabei auf die Felle, die die Perchten trugen. Zugleich bezieht sich „rauch“ auf den uralten Brauch des Räuchern, um böse Geister zu vertreiben: Die verschiedenen Harze und Kräutern dafür wurden meistens im Sommer bzw. Herbst gesammelt.

Wann sind die Rauhnächte?

Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Tage und Nächte tatsächlich die Rauhnächte sind. Meist handelt es sich aber bei den Rauhnächten um die zwölf Weihnachtstage, vom ersten Weihnachtstag (25.12.) bis Dreikönig (6.1.). Nach einer anderen Zählweise beginnen die Rauhnächte bereits am Thomastag (21.12.). Dies ist gleichzeitig die Wintersonnwende und somit der kürzeste Tag des Jahres.

Für die Bauern waren die zwölf Rauhnächte bestimmend für das Wetter der kommenden zwölf Monate. Die wichtigsten Rauhnächte sind:

20./21. Dezember – Thomasnacht

24./25. Dezember –  Heiliger Abend, Christnacht

31. Dezember / 1. Jänner – Silvester

5./6. Jänner – Dreikönig

Begleiten Sie uns 2021/22 auf eine Reise durch diese mystische Zeit zwischen den Jahren. Bei einem Spaziergang durch die Haller Altstadt erfahren Sie mehr über die Rauhnächte, Bräuche, Rituale und Geschichten über die „Wilde Jagd“ und andere Gestalten, die während dieser Zeit ihr Unwesen auf Erden treiben. Gemeinsam erfahren wir bei einem kleinen Räucherseminar im Stiftsgarten, wie sich die Rauhnächte in unserer Zeit leben lassen. Die Termine kommunizieren wir auf unserer Homepage!


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Tiroler Apfelbrot – Rezept

Mo, 12/14/2020 - 09:10

Riecht ihr es auch? Es duftet nach Weihnachten: Nach Tannen, frisch gebackenen Keksen und – leckerem Tiroler Apfelbrot!

Egal ob zum Frühstück oder als Jause zwischendurch – eure Familie wird es lieben. Eigentlich ist das Tiroler Apfelbrot eine einfache Variante des “Zelten”, schmeckt aber mindestens genauso gut. Nach einem altüberlieferten Rezept backe ich heute mit euch diese wunderbare und saftige Adventköstlichkeit. Ich bin mir sicher, dass es jedem von euch gut gelingen wird. Also los!

Zutatenliste

1,5 kg Äpfel

30 dag ganze Nüsse

30 dag Feigen

50 dag Zucker (ich mag es etwas weniger süß und nehme nur die Hälfte)

30 dag Rosinen

1/8 l Rum

3 EL Kakao

1 TL Nelkenpulver

1 TL Zimt

½ TL Lebkuchengewürz

1 Prise Salz

50 dag Roggenmehl

50 dag Weizenmehl

2 Pkg. Backpulver

Die Zubereitung

Feigen halbieren und in eine große Schüssel geben.

Rosinen und Nüsse dazugeben.

Geriebene Äpfel dazugeben. Man kann die Äpfel auch mit der Schale verwenden, hab beides ausprobiert – macht keinen Unterschied und man spart sich Arbeit .

Zucker, Kakao, Nelkenpulver, Zimt, Lebkuchengewürz, Salz und Rum dazugeben, gut vermischen und mit einem Tuch bedeckt über Nacht stehen lassen.

Am nächsten Tag das Roggen- und Weizenmehl sowie das Backpulver unter die Masse mengen.

Wir geben die Brotmasse auf die bemehlte Arbeitsfläche und kneten sie solange, bis man eine schöne Teigkugel geformt hat. Sollte die Masse zu sehr kleben, einfach etwas Mehl hinzufügen.

Entweder zwei große oder vier kleine Laibchen formen, mit Wasser bestreichen und  auf ein, mit Backpapier belegtes Blech geben. Bei 150 Grad ca. 1 Stunde backen.

Das fertig gebackene Apfelbrot kann man ausgekühlt gut einfrieren. Aber vermutlich ist der wunderbare Duft viel zu verlockend und man wird es sofort verkosten wollen. Die Apfelbrotscheiben schmecken am besten mit Tiroler Bauernbutter. Diese findet ihr in den Höfläden und Bauernmärkten der Region Hall-Wattens.

Gutes Gelingen und lasst es euch schmecken!

Mehr Rezepte aus Tirol findet ihr hier

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Der Rodelbauer von Absam

Mo, 12/07/2020 - 09:00

Heute gilt im Berufsleben oft: Je ausgefallener, desto besser. Stefan Prantner zieht da nicht mit. Der 25-Jährige hat einen „ausgestorbenen“ Beruf ergriffen: Er ist Rodelbauer. Und er hatte den richtigen Riecher: Handwerk ist heute beliebter als je zuvor.

Rodeln liegt im Trend: Die Winterdisziplin ist schon seit einiger Zeit zum Breitensport für die ganze Familie geworden. Da mutet es fast seltsam an, dass sich die echten Rodelbauer in Tirol beinahe an einer Hand abzählen lassen. Stefan Prantner ist einer von ihnen. Dem Absamer liegt das Rodel-Gen im Blut: Er führt den Familienbetrieb, der 1859 gegründet wurde, in fünfter Generation. „Rodelbauer kann man nicht mehr lernen. Der Beruf hat sich aus der Wagnerei entwickelt, aber den Wagner braucht man heutzutage nicht mehr. Darum habe ich zuerst Tischler gelernt und von meinem Vater dann das Rodelbauen.“

Beim Rodelbau Prantner in Absam hilft auch heute noch die ganze Familie zusammen: Sohn und Vater bauen die Rodel, die Mama lackiert und bespannt. Ein echtes Tiroler Handwerksunternehmen, das nur Unikate fertigt.

Echtes Tiroler Handwerk

Für die Prantner-Rodel müssen aus fünf Zentimeter starken Teilen einzelne Stücke für die Rodel herausgeschnitten werden. „Ich produziere jährlich ungefähr 200 Stück, täglich muss ich eine Rodel schaffen.“ Arbeit im Akkord? Keineswegs. „Wir produzieren keine Billigrodel in Form von Massenware, sondern Einzelstücke, die gut lenkbar und leicht zu bedienen sind“, so Stefan. Prantner Rodel aus Absam stellt klassische Kinder- Jugend- und Erwachsenenrodeln her, aber auch Sportrodeln und exklusive Sonderanfertigungen. Die Preise für ein solches handgefertigtes Stück beginnen bei 100 Euro; besondere Anfertigungen und High-Tech-Geräte können bis zu 400 Euro kosten. Zu kaufen gibt es die Rodeln ausschließlich direkt aus der Werkstatt in Absam oder über das Internet.

Rodel-Geheimtipp vom Experten

Rodelt ein Rodelbauer auch selber gerne? “Ja, aber sicher!”, sagt Stefan entschlossen. Am liebsten ist er auf der Strecke hinter seinem Haus, im Halltal, unterwegs. Bekannt für die wildromantische Landschaft führt die Naturbahn nördlich von Hall in Tirol entlang des Halltalbaches bis hinauf zum Gasthof Sankt Magdalena. Die gut 500 Höhenmeter ziehen sich über eine Strecke von 4,5 Kilometer. Etwa eineinhalb Stunden sollten zum Hinaufgehen eingeplant werden. Aber Achtung: Mit einem Gefälle von elf Prozent gehört die Rodelbahn im Halltal in der Region Hall-Wattens zu den flotteren Bahnen.

„Richtig schnell wird man durch eine flache, nach hinten geneigte Haltung“, verrät Stefan. „Durch Zug und Druck kann man die Rodel besonders gut lenken.“ Ist eine Kurve in Sicht, bremst man am besten kurz vorher ab und steuert mittels Gewichtsverlagerung sowie Zug und Druck auf die Kufen.

Rodelpflege: So hält die Rodel lange

„Eine Rodel hält bei guter Pflege über 40 Jahre. Wichtig ist, dass man die Kufen pflegt. Wir verbauen rostfreie Schienen, aber es empfiehlt sich, Stahl- oder Eisenschienen nach dem Benutzen zu trocknen und zu wachsen.“ Skiwachs, das mit einem Schwamm aufgetragen wird, eignet sich zum Beispiel sehr gut. Neben der Pflege gibt es eine weitere Regel, die jeder Rodler kennen sollte: Sicherheit! „Das fängt schon beim Aufstieg an: Nicht nebeneinander laufen und nicht an unübersichtlichen Stellen, wie zum Beispiel vor Kurven, stehen bleiben. Immer festes Schuhwerk tragen, eine Beleuchtung sowie Helm und Skibrille dabeihaben.“ So steht dem Rodelvergnügen nichts mehr im Wege.

Rodelvergnügen in der Region Hall-Wattens

In der Region gibt es eine Vielzahl an Rodelmöglichkeiten. Und natürlich noch zahlreiche andere winterliche Aktivitäten. Einen Überblick findet ihr auf unserer Winter Aktiv Homepage. Der Schnee kann also kommen!

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Rezepttipp: Kürbisknödel

Mi, 11/25/2020 - 09:48

Was soll ich heute kochen? Diese Frage stellt sich wohl jeder und das des Öfteren. Wir haben anbei einen herbstlichen Tipp für die Kürbiszeit: Kürbisknödel.

Zutatenliste für Kürbisknödel:
  • 1 Kürbis (Hokkaido)
  • 250g Topfen
  • 2 Eier
  • 80g Grieß
  • 80g Knödelbrot
  • 50g Butter
  • Abrieb von einer Zitrone
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise Zucker
  • Optional: Vanilleschote

Das Rezept reicht ca. für 4 Personen.

Der Kürbis muss vor dem Zusammenführen der Zutaten klein geschnitten und weich gekocht werden. Je nach Geschmack kann man den Kürbis pürieren. In diesem Fall haben wir den Kürbis nur gestückelt. Durch das Vermengen der Zutaten wird dieser bis auf einzelne kleine Stücke fein zerkleinert.

Alle Zutaten zu einem homogenen Teig vermengen. Mit befeuchteten Händen aus dem Teig Knödel formen. Diese in kochendem Salzwasser ca. 15 Minuten köcheln lassen. Und schon fertig sind die Kürbisknödel.

Die Knödel schmecken pikant als auch süß angerichtet. Pikant serviert man die Kürbisknödel mit geschmolzener Butter, Kürbiskernöl, Parmesan und mit ein paar Kürbiskernen. Wer die Knödel als Dessert oder einfach nur süß verspeisen möchte, kann diese mit zerlassener Butter und etwas Zucker auftischen.

Weitere Kochideen und Rezepte aus der Region Hall-Wattens findet ihr auf unserem Kulinarikblog.

Guten Appetit!

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Regionale Geschenke kaufen: So funktionierts einfach

Mo, 11/23/2020 - 10:00

Regionale Geschenke kaufen? Dieses Jahr ist das Weihnachtsgeschenke besorgen wie alles andere auch komplett anders. Aber anders heißt nicht zwangsläufig schlechter. Diese neue Herausforderung birgt auch Chancen zum Umdenken. Weniger ist mehr, bewusster ist nachhaltiger! In der Region Hall-Wattens versteht man sich nicht auf’s Jammern, sondern packt das Problem an der Wurzel und organisiert sich neu. In diesem Blog stelle ich euch einige ausgewählte – allen voran nachhaltige – Betriebe vor, die mir in einem kurzen Telefoninterview erzählt haben, wie sie ihr Weihnachtsgeschäft heuer abwickeln werden. Eine Gesamtliste aller heimischen Betriebe, bei denen ihr regionale Geschenke kaufen könnt, findet ihr auf der Seite der Stadt Hall unter Lieferservices und Onlineshops in der Region Hall-Wattens.

Elke Hell – Interior for Kids

Weihnachten ist gerade für Kinder das schönste Fest im ganzen Jahr. Leuchtende und staunende Augen unterm Weihnachtsbaum, erfüllt die Erwachsenen mit größter Freude. Weniger ist mehr: gerade bei Kindern, da sie mit unzähligen Päckchen schnell überfordert sein können. Ein bewusst und nachhaltig ausgesuchtes Geschenk findet ihr bei Elke Hell und ihrem entzückenden Kindergeschäft Interior for Kids. Ihr Sortiment besteht vorwiegend aus Holzspielzeug. Bei ihren Lieferanten achtet sie besonders auf zertifizierte Firmen, die faire Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne ermöglichen. Sie verrät mir, welches Kinderspielzeug heuer besonders hoch im Kurs steht – alles made in EU:

  • Babypuppen aus Spanien – gerade bei Puppen ist es schwierig, europäische Lieferanten zu finden, denn sie kommen in der Regel aus China
  • Pikler Dreieck und das Balance Board “Wobbel” – beides ideale Indoor Spielgeräte für die motorische Entwicklung und aus nachhaltiger Forstwirtschaft bzw. Naturholz
  • Waytoplay – eine flexible Spielstraße aus den Niederlanden

Elke ist neben ihrer Homepage www.interiorforkids.at vor allem auf Facebook und Instagram sehr aktiv. Dort könnt ihr euch einen Überblick über ihr Sortiment machen. Gerne berät euch Elke telefonisch unter 05242/21118 in der Zeit von Montag bis Freitag 09:30 – 12:00 Uhr oder beantwortet eure E-Mailnachrichten. Bestellungen werden direkt ausgeliefert oder über einen Paketdienst zugestellt.

NaturWurzel – Die Tiroler Ölmühle

Als Lebensmittelhändler darf das kleine aber feine Geschäft NaturWurzel in Wattens weiterhin geöffnet bleiben (Montag – Freitag von 08.00 – 13.00 Uhr und 14.00 – 18.00 Uhr, Samstag von 08.00 – 14.00 Uhr). Trotzdem möchte ich euch Evelyn Thurner und ihre Produkte als Weihnachtsidee ans Herz legen. Der Großteil des Sortiments ist in Bio-Qualität und wird hauptsächlich in Tirol, Österreich und Bayern sowie direkt beim Bauern bezogen. Entstanden ist die Idee 2016, als Evelyn eine Manufaktur für Bio Speiseöle in Hall eröffnete. In der Manufaktur wird Handarbeit groß geschrieben und auch die Partner sind hauptsächlich kleine Betriebe mit maximal 10 MitarbeiterInnen, die ebenfalls manuell arbeiten.

Mit Oktober 2020 eröffnete sie einen Kulinarik Shop in Wattens. Das Sortiment umfasst neben den Bioölen auch Essig, Senfvariationen, Gewürze, Tees, frisches Urgetreide-Brot von der Brotschmiede Hall sowie Deko- und weihnachtliche Geschenksartikel. Überzeugt euch selbst von einer tollen und nachhaltigen Qualität in der NaturWurzel.

Regionale Geschenke kaufen, die sich verschmausen lassen? Auch die Hofläden der Region bieten ein tolles Sortiment, wo man mit gutem Gewissen einen schönen Geschenkskorb zusammenstellen kann. Nähere Informationen dazu findet ihr auf unserer Homepage.

Augenweide – Kunst und Deko

Gitti Streiter vom Wattener Geschäft Augenweide ist gelernte Floristin und Dekorateurin. Mit viel Liebe zum Detail bietet sie ihren KundInnen tolle Dekoideen für die Weihnachtszeit. Dabei sind ihr vor allem heimische Materialien sehr wichtig. Auf ihrer Webseite www.augenweide.co.at und auf Facebook informiert sie über die neuesten Wohntrends und weihnachtlichen Highlights. Was heuer am gedeckten Weihnachtstisch ein absolutes Muss ist, sind Windlichter und Laternen. Der diesjährige Farbton ist vor allem Gold im Industrielook. Gepaart mit dunklen Beerentönen wird die Weihnachtsdeko zu einem echten Hingucker. Natürlich gibt gerade in den Tiroler Bauernstuben die Farbe Rot nach wie vor den Ton an und ist ebenfalls in Gittis Sortiment enthalten. Am einfachsten sind Bestellungen per Telefon unter 0664/75036546. Vielfach ist eine Beratung notwendig, und diese kann einfacher und schneller via Telefon erfolgen. Im Umkreis von 20 km erfolgt die Zustellung kostenlos.

Strickhexen

Anita Steger betreibt eines der letzten verbliebenen Handarbeitsgeschäfte in der Region, und zwar in der Haller Kaiser-Max-Straße. Bei einem ausgesprochen netten Telefonat erfahre ich, dass Anita auch während des Lockdown niemanden im Stich lässt. Da kann es schon vorkommen, dass sie extra wegen verschwundenen Maschen ihre KundInnen besucht und bei einem Distanzgespräch erste Hilfe leistet. Die neueste Ware präsentiert sie auf Facebook und Instagram. Sowohl in der Gruppe “Stricken und Häckeln mit Rat und Tat” als auch via Telefon steht sie hilfsbereit zur Seite. Ihr kostenloser Lieferservice erstreckt sich von Schwaz bis nach Zirl.

Ein Highlight aus ihrer Kollektion sind die selbst gestrickten Adventkränze. Ansonsten verwendet man in diesem Winter Wolle in allen Farbtönen, allen voran warme Töne. Auch das Norwegermuster ist heuer sehr gefragt. Beim Kauf ihrer Qualitätsware achtet Anita auf deren Herkunft. So bezieht sie zB aus dem Lungau österreichische Sockenwolle. Weitere Lieferanten sind alteingesessene Wollfirmen aus Italien, Spanien oder Deutschland.

Riepenhausen – Bücher und Geschenke

Das Tiroler Familienunternehmen Riepenhausen besteht seit 1896 und hat in der Altstadt von Hall gleich drei Standorte. Nämlich das Papierfachgeschäft, eine Trafik sowie eine Buchhandlung. Letzteres lädt im Internet unter www.riepenhausen.at zum Stöbern ein. Die Trafik ist ganz regulär geöffnet und die bestellte Ware kann dort abgeholt werden. Es besteht auch ein kostenloser Lieferservice für Bücher im Raum Innsbruck Land. Bestellungen werden sowohl telefonisch als auch via Email entgegen genommen: buch@riepenhausen.at & Tel.: 05223/55188 bzw. papier@riepenhausen.at & Tel.: 05223/56759.

Ganz selbstverständlich achtet auch dieses heimische Unternehmen auf Nachhaltigkeit. Die Buchhandlung bestellt vorwiegend bei österreichischen Auslieferungen, die meisten Bücher werden ohne Plastik geliefert und die Kundinnen erhalten – sofern nicht selbst dabei – ein Papiersackerl. Bücher sind ganz grundsätzlich immer ein tolles Weihnachtsgeschenk, da es für jeden das richtige Buch gibt – egal ob Hobby, Krimi, Kinder usw. Übrigens sollte heuer unter dem Weihnachtsbaum unbedingt die eben erst erschienene Biografie von Barack Obama (“Ein verheißenes Land”) liegen. In der Papierhandlung hingegen findet man neben vielen entzückenden Präsenten auch Adventkalender und alles für das Nikolausfest.

Ich bedanke mich bei allen Interviewpartnern für ihre Zeit und die tollen Anregungen. Wir wünschen euch allen erfolgreiches Geschenkesuchen und eine schöne und vor allem gesunde Adventszeit.

Mehr Tipps für regionale Geschenke kaufen in der Region Hall-Wattens

Hier findet ihr noch mehr schöne, regionale Geschenksideen.

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Sagen aus der Region Hall-Wattens

Fr, 11/13/2020 - 13:59

Unsere Feste und Bräuche stimmen uns auf die bevorstehende kalte und dunkle Zeit ein. Die Nacht zum 1. November bedeutete bei den Kelten die Grenze zum Winter und damit zur dunklen Jahreszeit. Das keltische Fest Samhain wurde in der christlichen Zeit zu Allerheiligen. Aus dieser Kultur haben wir gewisse Bräuche übernommen, wie zB, den Verstorbenen kleine Gaben auf die Gräber zu stellen, um sie gnädig zu stimmen. Feuer wurden entzündet, um Geister und böse Gestalten fern zu halten. Es kommt daher nicht von ungefähr, wenn wir uns gerne zurückziehen, und bei gemütlichem Kerzenschein in der Literatur versinken. Passend dazu möchte ich euch heute dazu einladen, in die Welt der Sagen und Legenden einzutauchen. In dem Buch “Geheimnisvolles Hall” hat die Autorin Christine Zucchelli alle möglichen Sagen aus der Region Hall-Wattens zusammen getragen. Im Buch finden sich nicht nur Sagen aus Hall, sondern aus allen 10 umliegenden Dörfern. Die bekanntesten Sagen sind ohne Zweifel “Der Bettelwurfgeist” sowie die Legende um den “Glungezer Riese”. Zweitere ist eng verbunden mit unserem Kraftort Schwarzbrunn und kann dort nachgelesen werden.

Der Bettelwurfgeist

Der wohl bekannteste und markanteste Berg im Karwendelgebirge ist der Bettelwurf. Liebevoll wird er als Hausberg der Haller bezeichnet. Woher der Name stammt, ist bis dato nicht geklärt. Jedoch könnte uns die Sage vom Bettelwurfgeist diesbezüglich Aufschluss geben. Die Sage haben wir neben einigen anderen auf unserer Homepage unter der Rubrik Sagen und Geschichten aus der Region Hall-Wattens aufgenommen und kann dort nachgelesen werden. Bei einer Wanderung ins Halltal begegnet uns bei den Herrenhäusern die Gestalt des Bettelwurfgeistes – künstlerisch dargestellt von Karl Obleitner.

Sagen aus Absam und Thaur

Auch die beiden Dörfer Absam und Thaur haben in punkto Sagen einiges zu bieten. Spannende Geschichten ranken sich um den heiligen Einsiedler Romedius sowie und das Thaurer Schloss. Und in Absam ist es natürlich das Absamer Gnadenbild, welches die Phantasie der Bevölkerung angeregt hat. Der bekannte Wallfahrtsort ist seit jeher bei Pilgern beliebt. Die Sage “Die Wallfahrt der Kröte” erzählt über eine seltsame Besucherin in der Marienbasilika:

Eine Bäuerin aus Bayern, welche dicht an der tirolischen Grenze wohnte, verlobte sich nach der Wallfahrtskirche zur Muttergottes in Absam. Sie kam aber niemals dazu, das Gelöbnis einzulösen. Dafür ist es aber der Bäuerin übel ergangen, denn als sie gestorben war, musste sie den Weg zur Kirche nach Absam in Gestalt einer Kröte machen und hatte dabei viel zu leiden. Ein Bauer am Weg wollte sie erschlagen, ein anderer sie zertreten, ein dritter schleuderte sie über einen hohen Felsen und der Mesner von Absam ließ sie nicht in die Kirche hinein. Zweimal schleuderte er sie zur Vorkirche hinaus, bevor es ihr schließlich doch gelang, zum Gnadenbilde zu kommen. Dort faltete die Kröte die vorderen Beinchen wie zum Gebete, betete andächtig und flog dann als lichter Streifen zum Fenster hinaus, worüber die Leute in der Kirche nicht wenig staunten. So ist also die arme Seele erlöst worden.

Sagen aus Wattens und Wattenberg

Aufgrund der Abgeschiedenheit und imposanten Bergwelt sind viele Sagen über Plätze in der Wattener Lizum entstanden. Gerade der Mölssee gilt als besonders sagenumwoben. Man konnte sich nie wirklich erklären, weshalb sich in dieser extremen Höhenlage Fische im See tummeln. Was es damit auf sich hat, erfährt man ausführlich auf der Seite zum Kraftort Mölssee.

Die Wattentaler Kasermandln sind bekannte Sagengestalten aus der Region. Wenn im Herbst die Senner zu Tal fahren, glaubte man, dass die Kasermandln von den Jöchern heruntersteigen. Kasermandln sind eigentlich Geister und überall dort zu finden, wo es eine Alm, Aste oder Hütte gibt. Im Wattental nannte man die Geister wegen ihres zwergenhaften Wuchses auch “Nörggalen”, meistens aber “Putzen”, “Pützeln” oder “Mandln”. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts wusste man im Wattental vieles von diesen Almgeistern zu erzählen. Die Kasermandln sind eigentlich unerlöste Seelen von Sennern und Hirten. Einige von ihnen waren gut und hilfreich, andere hingegen boshaft und gefährlich. Bekannt sind folgende Sagen: “Die Martinspützeln” (weil sie gerne am 11.November, dem Martinstag auftauchten!), “Die mutige Magd und das Mandl von der Wazalm”, “Von den Korethgeistern”, “Das Kasermandl von Oberwalchen”, “Almgeister auf der Hochlizum”.

Sagen aus Baumkirchen

In jeder unserer elf Gemeinden finden sich wirklich spannende und teilweise auch witzige Sagen. Dass aber gerade der kleine Ort Baumkirchen mit einer Sage über einen Pfarrstreit aufwartet, fand ich besonders interessant und soll deshalb dem Leser nicht vorenthalten werden:

Als der Seelsorger der Pfarrgemeinde Baumkirchen, Mils und Fritzens noch seinen Wohnsitz in Baumkirchen hatte, lebten im Schloss Wohlgemutsheim die Edlen von Baumkirchen. Sie waren recht raue Herren und schreckten auch vor Gewalttätigkeiten gegen den Pfarrer nicht zurück. Als schließlich einer der Adeligen von Baumkirchen einen Pfarrer hinter dem Altar ermordet hatte, verlegte die Pfarre den Wohnsitz der Geistlichen nach Mils.

Man muss wissen, dass im frühen Mittelalter Baumkirchen, Fritzens und Mils in einer Pfarrgemeinde verbunden waren. Weil der Pfarrer seinen Wohnsitz nach Mils verlegte, entbrannte ein fürchterlicher Streit zwischen Baumkirchen und Mils. Dieser beschäftigte sowohl kirchliche, als auch weltliche Instanzen. Trotz der tragischen Geschichte, schafften es die beiden Gemeinden nicht, ihre 150 Jahre währende Auseinandersetzung beizulegen. Schlussendlich wurden sie 1602 in selbständige Seelsorgegemeinden getrennt.

Ich wünsche allen schöne Stunden beim Lesen und Schmökern in den Sagen, Märchen, Legenden und Mythen rund um die Region Hall-Wattens.

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Naturpark des Jahres 2020: Der Naturpark Karwendel

Mo, 11/09/2020 - 10:22

Als Wanderführerin bin ich seit knapp 20 Jahren mit Einheimischen und Gästen im größten Naturpark Österreichs – dem Naturpark Karwendel unterwegs. Dass er zum Naturpark des Jahres 2020 gewählt wurde, freut mich deshalb ganz besonders! Durch meine Zusatzausbildungen zur Tiroler Naturführerin und Kräuterpädagogin, habe ich einerseits die Berechtigung dazu und kann andererseits den interessierten Besuchern viel zusätzliches Wissen vermitteln. Egal ob mit Erwachsenen oder Kindern unterschiedlicher Altersgruppe: es macht jedesmal Riesenspass und es ist schön, am Ende einer Tour die zufriedenen und glücklichen Menschen zu sehen!

Für den Naturpark Karwendel ist das heurige Jahr ein ganz besonderes: er hat vom Verband der Naturparke Österreichs die Auszeichnung Naturpark des Jahres 2020 erhalten.

Der Naturpark Karwendel ist mit seinen 727 km² der größte Naturpark Österreichs. Bereits im Jahr 1928 wurde das Karwendelgebirge zum Naturschutzgebiet erklärt. Bald darauf setzte auch der touristische Ansturm auf die alpine Bergwelt ein. Übrigens gibt es diesbezüglich gerade eine tolle Ausstellung im Haller Stadtmuseum. Neben dem Schutz der Pflanzen hatte auch jene der Fauna einen hohen Stellenwert, vor allem die des Raubwildes (z.B. der Marder).

Was ist ein Naturpark und wann darf sich ein Gebiet so nennen?

Im Jahr 1989 wurden durch Neuverordnungen der Tiroler Landesregierung die Schutzziele erweitert. Gleichzeitig wurden sie auf die heutige Ausdehnung festgelegt. Diese regelt den Schutz aller wildwachsender Pflanzen. Ebenso die der freilebenden, nicht jagdbaren Tiere im gesamten Gebiet. Seit 2015 trägt der Alpenpark den Titel Naturpark Karwendel. Das gesetzliche Ziel der Naturparke ist der Schutz einer Landschaft in Verbindung mit deren Nutzung. Dabei sollen besonders wertvolle Landschaftsräume vor einer Zerstörung bewahrt und entwickelt werden. Die Auszeichnung eines Gebietes mit dem Prädikat „Naturpark“ erfolgt durch die jeweilige Landesregierung.

Folgende Anforderungen werden gestellt:

  • Schutz und Weiterentwicklung der Landschaft
  • Schaffung von Erholungsmöglichkeiten
  • Ökologische und kulturelle Bildungsmöglichkeiten
  • Förderung einer nachhaltigen Regionalentwicklung durch Schaffung von Arbeitsplätzen und Nebenerwerbsmöglichkeiten in Tourismus und Landwirtschaft.

Wie wird man Naturpark des Jahres? Die Bewerbung

Der Verband der Naturparke Österreichs (VNÖ) kürt jährlich einen von derzeit 47 Naturparks zum „Naturpark des Jahres“. Jeder Naturpark darf nur alle fünf Jahre am Wettbewerb teilnehmen. Außerdem müssen die interessierten Naturparks müssen für die Beurteilung einen umfassenden Fragebogen ausfüllen. Zudem können sie zusätzlich eine festgelegte Anzahl an Bildern und Hintergrundinformationen wie Jahresberichte einreichen. Anschließend ist die Fachjury am Zug.

Die Jury

Eine unabhängige Fachjury aus VertreterInnen des Umweltbundesamtes sowie der “Alpine Pearls”, der Universität Wien, des Umwelt-Bildungs-Zentrums und des ORF Kärnten beurteilte folgende Bereiche:

  • Naturschutz
  • Erholung und Tourismus
  • Umweltbildung
  • Regionalentwicklung
  • Öffentlichkeitsarbeit
Die Stimmen der Jury

„Breites Umweltbildungsangebot und gut organisiertes Junior Ranger-Programm sowie nachhaltige Maßnahmen in der Regionalentwicklung.“

„Hervorzuheben ist die große Begeisterung der Freiwilligen – das ist harte Arbeit für die Naturpark – Verantwortlichen.“

„Der Naturpark Karwendel zeichnet sich unter Bedachtnahme seiner Größe durch ein sehr ausgewogenes Miteinander der vier  Naturparkfunktionen aus.“

„Jährlich werden mehr als 250 Naturexkursionen und Vorträge mit Rangern angeboten – ein absolutes Highlight!“

Die Verleihung des Titels zum Naturpark des Jahres 2020

Nach zahlreichen coronabedingten Verschiebungen war es dann am 23. Oktober endlich soweit: der Naturpark Karwendel erhielt vom neuen VNÖ-Präsidenten Hans Thauerböck in Absam erstmalig die Urkunde zum „Naturpark des Jahres 2020“ verliehen.

Geschäftsführer Hermann Sonntag zieht Bilanz

„Die Absage von mehr als 80 Veranstaltungen und unzähligen anderen Aktivitäten dieses Jahr war schwierig. Zu den positiven Aspekten dieses Sommer gehören aber:

  • Wesentliche Fortschritte im Naturschutz, zum Beispiel bei den Karwendel-Mooren, den alpinen Wildflüssen
  • Fortschritte im Artenschutz, das große Interesse an unserem Junior-Rangerprogramm im Sommer
  • Einige neue Aktivitäten in der notwendigen BesucherInnenlenkung

„Um große Projekte überhaupt angehen zu können, ist eine entsprechende Basisfinanzierung notwendig. Die Beiträge der Karwendelgemeinden, der Tourismusverbände und vor allem durch das Land Tirol ermöglichen dies. Der Naturpark Karwendel bedankt sich auf diesem Weg bei den mehr als 90 Projekt-Partnern für die ausgezeichnete Zusammenarbeit!“

Gerade im Sommer 2020 konnte man feststellen, wie sich das Verhalten von Menschen auf unsere Umwelt auswirkt. Aus diesem Grund finanziert das Land Tirol die BesucherInnenlenkung im kommenden Jahr mit zusätzlichen € 100 000.

Das Halltal: Direkter Zugang in die wilde Landschaft des Naturpark Karwendel

Einer der wichtigsten Zugänge ins Karwendel überhaupt befindet sich in der Region Hall-Wattens: das Halltal. Es nimmt durch seine interessante Geschichte eine besondere Stellung ein: Hier wurde über 700 Jahre lang Salz gewonnen. Auch die Artenvielfalt ist atemberaubend. Der Tourismusverband bietet ganzjährig (ausgenommen April und November) jeden Freitag eine geführte Wanderung im Naturpark Karwendel an.

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Die Hagebutte – regionales “Superfood” am Wegesrand

Di, 10/27/2020 - 15:21

Von Anfang Herbst bis in den Winter hinein begegnet man der Hagebutte als Frucht von Rosengewächsen (Heckenrose, Zaunrose, Weinrose, Wildrose, …) nahezu bei jedem Spaziergang. Die Frucht entsteht im Herbst aus dem fleischigen Blütenboden der Rose. Die Hagebutte ist nicht giftig! Im Gegenteil. Die Wildfrucht ist reich an Vitaminen (Vitamin A, B, C, D, E, K). Am bekanntesten ist die Hagebutte für den hohen Gehalt an Vitamin C (Ascorbinsäure). Aufgrund der Vitaminvielfalt wirkt sich die Frucht positiv auf das Immunsystem aus und wird gerne unterstützend bei Erkältungskrankheiten genutzt.

Gewöhnlich kennt man die Hagebutte als Tee verarbeitet. Dafür einfach die gesammelten Früchte vom Stiel und Blütenansatz trennen und trocknen. Die zerteilten und getrockneten Früchte sind als Tee das ideale Getränk für kalte Wintertage. Die Kerne der Hagebutte kennt man als natürliches “Juckpulver”. Es empfiehlt sich die Kerne bei der Erstellung von Tee durch einen Filterbeutel zu entfernen.

Weitere Verwendungen der Hagebutte:

Die Hagebutte lässt sich hervorragend zu Marmelade, Gelee oder Mus verarbeiten. Anbei findet ihr ein einfaches und schnelles Rezept für ein Hagebuttenmus. Das Mus schmeckt nicht nur gut sondern trägt auch zur Stärkung der Abwehrkräfte bei.

Rezepttipp Hagebuttenmus:

Die gesammelten Früchte von Stiel und Blütenansatz entfernen und waschen. Je nach Menge der Früchte diese leicht bedeckt mit Wasser in einem Topf köcheln lassen. Der Vorteil bei diesem Hagebuttenrezept ist, dass die Früchte nicht entkernt werden müssen. Sobald die ganzen Früchte weich gekocht sind, können diese mit dem Sud durch eine Kartoffelpresse oder durch das Küchengerät “Flotte Lotte” gepresst/zerkleinert werden. Das Ergebnis anschließend zu einer homogenen Masse verrühren und mit etwas frisch gepressten Zitronensaft und Gelierzucker aufkochen. Das Aufkochen zerstört in geringem Maße das Vitamin C. Das Hagebuttenmus ist dennoch eine richtig schmackhafte Vitaminbombe.

Das Mus genießt man als Brotaufstrich, im Müsli oder pur.

Weitere Rezepttipps aus der Region findet ihr hier.

Die Hagebutte verfüttert man gerne auch an Tiere (Pferde, Hunde, Katzen, Kaninchen, …). Diese profitieren genauso wie der Mensch von der Einnahme der vitamin- und mineralstoffreichen Frucht. Wenn man die Früchte nicht selbst sammelt können diese auch in einer sortierten Tierhandlung als Pulver oder ganze Frucht gekauft werden.

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Wildbret: Genusshighlight im Herbst

Mo, 10/26/2020 - 09:44

Wenn wir nach einem ausgiebigem Waldspaziergang nach Hause kommen, finden wir auf unseren Tellern ähnliche Farben, welche uns kurz zuvor in der Natur begegnet sind. Kürbis, Äpfel, Nüsse, Kastanien, Beeren, verschiedene Kohl- und Krautsorten sowie Wildbret stehen nun auf unserem Speiseplan an oberster Stelle.

Regionale Wildspezialitäten direkt vom Jäger

Wir kochen heute eine Rehnuss. Sie ist ein Teil der Rehkeule/Schlögl und ein sehr zartes und mageres Stück Fleisch. Wildfleisch ist in der Regel fettarm und reich an Eiweiß, Mineralstoffen und Vitaminen. So hat es bei richtiger Zubereitung auch seinen besonderen Wert in der Ernährung. Der Terminus Wildbret bezeichnet Fleisch, von frei lebenden Tieren, die dem Jagdrecht unterliegen. Unsere Rehnuss stammt aus dem Jagdgebiet der Gemeinde Rinn. Vom Pächter Klaus Töchterle habe ich mehr über die Jagd selbst sowie die Fleischhygiene erfahren: Wichtig ist in erster Linie das Ansprechen des Wildtieres. Dies bezeichnet in der Jägersprache die präzise Beobachtung, Identifizierung und Beurteilung der Tiere vor der Schussabgabe durch den Jäger. Zur Wildbrethygiene gehört das Aufbrechen eines erlegten Tieres, das weidgerechte Erlegen, die Kontrolle und Aufarbeitung durch den Metzger sowie die Einhaltung der Kühlkette. Nur so kann dieses wertvolle Naturprodukt zum genussvollen Nahrungsmittel werden.

Zubereitung von Wildbret: das Beizen

Damit Wildfleisch saftig und der typische Geschmack erhalten bleibt, ist größte Aufmerksamkeit der Zubereitung zu schenken. In unserem Fall bereiten wir eine Rotweinbeize vor. Beim Beizen soll nach dem Garvorgang ein bestimmtes Aroma hervorgehoben werden. Man unterscheidet zwischen einer trockenen und einer nassen Beize. Bei der Trockenbeize wird das Fleisch mit Salz, Pfeffer und Öl eingerieben und danach mit gehacktem Zwiebel, geschnittenem Wurzelwerk, Thymian, Lorbeer und zerdrückten Wacholderbeeren und Pfefferkörner bestreut. Zugedeckt lässt man es einen Tag ziehen.

Die Rotweinbeize funktioniert ganz ähnlich: das Gemüse (Zwiebel, Sellerie, Karotten und Petersilie) klein schneiden und über das Fleisch legen. Wir fügen noch Knoblauch, Gewürznelken, zerdrückte Wacholderbeeren, Lorbeerblätter, Pfeffer, Thymian und etwas Zimtpulver hinzu und übergießen alles mit einer Flasche guten Rotwein. Ergänzen kann man die Beize noch mit einem Hauch Cognac oder Wacholderschnaps. Wir lassen das gebeizte Fleisch für 12-24 Stunden im Kühlschrank ziehen.

Nach dem Beizen

Nachdem wir das Fleisch am nächsten Tag aus dem Kühlschrank holen, tupfen wir es leicht trocken und braten es in Öl und etwas Rosmarin rundum an. Danach geben wir das Gemüse dazu und lassen dies kurz leicht anlaufen. Mit dem Rotwein ablöschen und bei kleiner Hitze etwa 2 Stunden zugedeckt köcheln lassen. Das Fleisch herausnehmen, aufschneiden und mit grobkörnigem Salz bestreuen. Den vorhandenen Wildfond mit dem Gemüse kann man noch etwas einkochen (zB mit Maisstärke) und mit Preiselbeergelee, Zitronensaft und evtl. Rahm verbessern. Ansonsten einfach pürieren und zum Fleisch reichen.

Beilagen und Garnitur

Als Beilagen habe ich hier Kartoffeln und Blaukraut serviert. Das Blaukraut kann mit Kastanien verfeinert werden. Gängige Beilagen sind auch Serviettenknödel oder Kroketten. Zum Wildfleisch passen jedoch ganz herrliche und ausgefallene Kreationen. Eine raffinierte Garnitur sind zB glasierte Trauben oder Weichseln oder auch gefüllte Bratäpfel. Preiselbeeren dürfen jedoch nie fehlen!

Wir wünschen euch gutes Gelingen und guten Appetit!

Auf unserer Kulinarikseite findet ihr noch weitere Rezepte zum Nachkochen.

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Saitenspiele: Martin Wesely und sein Gitarren-Zauber

Mo, 10/19/2020 - 10:11
“Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten!”

Dieses Zitat vom österreichischen Komponist Gustav Mahler bringt auf den Punkt, was man bei den Klängen bei “Saitenspiele” aus Martin Weselys Gitarre zu hören, aber vor allem zu spüren bekommt. Es ist also kein Wunder, dass die Veranstaltung Saitenspiele jedes Jahr so großen Anklang findet. Bei den ersten beiden Doppelkonzerten am 22. Oktober und 6. November 2020 spielt Martin gemeinsam mit dem Tiroler Gitarrist Felix Kremsner.

Am 13. und 14. November 2020 wird das Quartett Guitar4mation seine Zuhörer in ihren Bann ziehen. Die Bandmitglieder sind neben Martin die Künstler Martin Schwarz, Michal Nagy und Petr Saidl.

Seit deiner Kindheit spielst du Gitarre und hast mit Musik zu tun? Liegt das in deiner Familie?

Meine Mutter hat in ihrer Jugend, bevor sie nach Österreich gezogen ist, sehr gerne Klavier gespielt. Mein Großvater hat Mandoline gespielt, war Tischler und hat auch Saiteninstrumente gebaut. Er ist allerdings im Krieg gefallen. Ein direktes Musikerumfeld hatte ich keines. Bei uns zuhause wurde aber immer sehr gerne unterschiedlichste Musik gehört und das Musizieren gefördert. Aktiv waren aber nur die Kinder. Mein Wunsch Gitarre zu lernen wurde an meinem 8. Geburtstag erfüllt. Ich bekam mein erstes Instrument.

Kannst du uns mehr zu deiner Person und musikalischen Karriere erzählen?

Geboren und aufgewachsen bin ich in Hall. Anfangs hatte ich 4 Jahre privat Unterricht bei einer sehr netten, jungen Erzieherin. Mit 13 war ich ein Jahr in der Musikschule Absam, aber meine musikalischen Bedürfnisse kollidierten wohl mit dem Lehrplan und so spielte ich dann selbst oder gemeinsam mit Pfadfinderfreunden Bluegrass. Mit 16 hat mir ein Bekannter der Familie empfohlen, mich beim Konservatorium in Innsbruck vorzustellen. Ohne zu wissen, was dort konserviert wird, bekam ich Unterricht bei Peter Heiß. Der machte mir klar, dass man dort nicht nur zupft, sondern auch eine Berufsausbildung absolviert. Das Gymnasium Hall wurde dann eher eine Nebenbeschäftigung. Mit 21 schloss ich das Konservatorium ab und zog nach Wien, um an der Hochschule bei Konrad Ragoßnig zu studieren. Bevor ich das klassische Gitarrestudium beendete, lebte ich noch ein Jahr in Paris, um mich bei Alberto Ponce an der Ecole Normale weiterzubilden. Kurse, Wettbewerbe und eigene Kammermusikprojekte prägten meine Studienzeit. Privat war ich immer gerne auf längeren Reisen.

Was genau fasziniert dich gerade am Instrument Gitarre?

Es ist das Intime, das der Gitarre innewohnt. Die akustische Gitarre entfaltet sich aus der Stille. Von dort aus kann sie sich in alle möglichen Richtungen entfalten.

Du arbeitest bei “Saitenspiele” viel mit anderen Musikern – wie kommt das zustande? Suchst du sie bewusst aus oder ist das rein zufällig?

Eigentlich schon bewusst, da ich die meisten Projekte selber initiiere. Doch der Zufall oder das Bauchgefühl spielen erfreulicherweise immer wieder eine Rolle.

Deine Klänge und die Titel deiner Lieder sind häufig im spanischen Raum angesiedelt. Woher kommt das?

Das resultiert zum größten Teil aus der Herkunft der Gitarre und der jahrhundertelangen kulturellen Verbreitung in Lateinamerika.

Wie kam es zum Projekt Saitenspiele, welches schon seit Jahren erfolgreich in Hall stattfindet?

Die Saitenspiele entstanden 3 – 4 Jahre nach meiner Rückkehr nach Hall. In den 80ern gab es in Tirol ein gutes Angebot an Gitarrekonzerten, vor allem durch die Jeunesse in Innsbruck. Größen wie Julian Bream konnte man live erleben. In den 90ern war ich nicht da. Als ich dann wiederkam, ist die Szene geschrumpft. Das weckte in mir das Bedürfnis etwas zu organisieren. Bei einem Besuch des Münzerturms kam ich mit meinem Volkschulfreund und ehemaligen Nachbarn Andreas Ablinger zum Reden. Daraus ergaben sich ein paar sehr stimmige Versuchskonzerte. Das Team der Münze Hall und die Hall AG haben das wunderbar unterstützt und so konnten sich die Saitenspiele entwickeln.

Du lebst in der Region Hall-Wattens. Gibt es besondere Plätze in der Region, die du gerne besuchst und die dich inspirieren?

Die gibt es zahlreich, wie zB das Voldertal oder die Kaisersäule in Thaur. Die Natur vor der Haustür zu haben ist ein Grund, dass ich nicht in einer Großstadt hängengeblieben bin. Einen ganz besonderen Kraftort verrate ich dir gerne: mein Garten.

Tickets und Kartenvorverkauf

Durch die gesetzlich regulierte Sitzplatzbegrenzung wird es zu einem noch intimeren Konzerterlebnis kommen. Es bedingt allerdings auch eine Reservierung der Karten.

Kartenreservierung:
Burg Hasegg / Münze Hall unter 05223/58 55 520 oder info@muenze-hall.at bzw. im Internet unter www.muenze-hall.at oder www.saitenspiele.com

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Die Kultur in Hall ist weiblich

Di, 10/13/2020 - 10:34

Interview mit Hannah Crepaz, Leiterin der Galerie St. Barbara

Ich hatte das Vergnügen, eine der bekanntesten und für mich auch bemerkenswertesten Frauen aus der Tiroler Kulturszene kennenzulernen. Hannah Crepaz ist Intendantin des Osterfestival Tirol und leitet seit über einem Jahrzehnt die Geschicke der Kulturinstitution Galerie St. Barbara in Hall in Tirol.

Hannah, du bist mit der Kulturarbeit deiner Eltern großgeworden. Wie hat dich das geprägt?

Sie lacht. „Ich bin als Kind in die Kultur hineingewachsen. 1968 hat eine Gruppe junger Menschen in Hall die Galerie St. Barbara gegründet und meine Eltern, Maria und Gerhard Crepaz, dazu eingeladen, das musikalische Programm zu gestalten. Kunst und Musik waren mein zweites Zuhause. Außerdem durfte ich meine Eltern auf ihren Reisen begleiten.“ Das Motto meines Vaters lautete: „Ein verlorener Tag in der Schule, ist ein gewonnener Tag für’s Leben.“

Heute ist sie selbst Mutter einer 10-jährigen Tochter, die ganz selbstverständlich durch die Büroräumlichkeiten der Galerie St. Barbara huscht. Die Zeiten haben sich aber geändert, findet Hannah. Gerade für Frauen ist der Spagat zwischen Beruf und Familie nicht einfach zu bewältigen. Wie viele andere spürt auch sie den permanenten Druck der Gesellschaft. Daher unterstützt sie den Wunsch nach einer gerechten Aufgabenverteilung. Auch die Männer sollen ihr traditionelles Rollenbild überdenken. Die Politik ist hier gefordert, zB mit einer gesetzlich vorgeschriebenen Karenzzeitaufteilung für Männer und Frauen, ähnlich dem schwedischen Modell.

Das Osterfestival Tirol gibt es bereits seit über 32 Jahren. 2009 hast du die künstlerische Leitung übernommen.

Zu Beginn – im Jahr 1989 – hieß das Osterfestival Tirol “Musik der Religionen”. Im Zentrum stand jährlich ein anderer Kulturkreis und die damit verbundenen Religionen. Hannah sieht sich als Vermittlerin. Durch ihre Arbeit möchte sie uns das Fremde vorstellen und zwischen fernen Kulturen vermitteln, um ein Umdenken anzuregen.

Einen intensiven Ausdruck verleiht das einzige Mehrsparten-Festival im Westen Österreichs, das heuer unter dem Motto Friede? steht. Coronabedingt musste es an Ostern abgesagt werden und wird teilweise als Oktoberfestival nachgeholt. Österreichische KünstlerInnen thematisieren den Wunsch nach Frieden. Das Programm ist umfangreich: Alte und Neue Musik, Tanz und Lesungen. Üblicherweise geht das Osterfestival Tirol mit den 40 Orten und anderen besonderen Formaten in Räumlichkeiten, wo Menschen kaum mit Kunst in Kontakt treten können oder am Rande der Gesellschaft leben.

Was bedeutet dir deine Arbeit? Wie steht es um die Kulturszene? Wie ist die Verteilung zwischen Mann und Frau?

Die Kunst- und Kulturszene ist eine sehr kleine und überschaubare. Man trifft immer wieder auf die selben Menschen und es gibt meist einen regen Austausch, was sehr schön ist. In den führenden Positionen ist Kunst und Kultur häufig männlich dominiert. Schön ist zu sehen ist, dass die Wiener Volksoper mit einer Frau neubesetzt wurde. Aber natürlich spielen Frauen eine wichtige Rolle in dieser Szene. Hannah nennt sie liebevoll „die fleißigen Bienen“. Bei diesem Thema merkt man, dass die sonst in sich Ruhende emotionaler wird. Hannah bekommt von ihren männlichen Kollegen sehr wohl den Respekt, den sie zweifelsohne verdient. Ihre Arbeit lässt wenig Angriffspunkte zu, weil sie neben hochkarätigen Persönlichkeiten vor allem lokale und junge KünstlerInnen fördert. Neid und Missgunst führen gerade in der Kunst- und Kulturszene zu einem sinnlosen Kräfteverlust, davon ist die Hallerin überzeugt.

Die Arbeit von Hannah und der Galerie ist über die Grenzen hinaus bekannt, sodass KünstlerInnen von sich aus vorstellig werden. Dennoch reist sie viel und gerne durch Europa, um KomponistInnen, MusikerInnen oder TänzerInnen live zu erleben und sie dann nach Tirol zu holen.

Du bist ein sehr kreativer Mensch. Was inspiriert dich? Woher kommen deine Ideen?

Hannah ist Mitglied in diversen kulturellen Gremien. Ihr Arbeitstag endet nicht etwa um 17 Uhr mit dem Verlassen des Schreibtischs in der Galerie St. Barbara. Ganz im Gegenteil: Ihre Arbeit ist immer allgegenwärtig und sie geht mit Leidenschaft an alle Sachen heran. Aus dieser inneren Motivation entspringen großartige Ideen. Aber eigentlich sind es die KünstlerInnen und die Musik, die sie besonders inspirieren.

Du wohnst und arbeitest in Hall. Was bedeutet diese Stadt für dich?

Die Stadt Hall, mit ihrer hohen Lebensqualität, ist für sie ein wahrer Kraftplatz. Die verwunschenen Innenhöfe wirken auf sie sehr beruhigend oder die kleinen verwinkelten Gassen bringen sie zum Träumen. Diese kleinen und besonderen Orte geben ihr viel Kraft und Energie. Aber auch die umliegende Natur inspiriert die Kunsttreibende. Sie liebt die Bewegung an der frischen Luft. Hannah Crepaz schätzt es sehr, dass man in wenigen Minuten nach Absam oder Gnadenwald gelangt, wo man sich so richtig auspowern kann.

Wie die Mutter so die Tochter. Beide kehren gerne nach ausgedehnten Reisen durch Europa in ihre Heimatstadt zurück. „Das Wichtigste für eine gelungene Mutter-Tochter-Beziehung ist die Verbundenheit mit dem eigenen Kind“, so Hannah. Ganz wichtig sind ihr bewusste Auszeiten, in denen sie – ohne Ablenkung – Zeit für ihre Tochter hat. Selbst wenn es abends später wird, bemüht sich Hannah gemeinsam mit Alice etwas Leckeres zu backen oder zu gestalten.

Stillstand durch Corona. Wie hast du das erlebt?

„Die Kunst- und Kulturszene hat es hart getroffen“, meint Hannah. Der Vorhang blieb nicht nur für KünstlerInnen zu, auch wir KulturliebhaberInnen mussten im April auf das bekannte Osterfestival verzichten. Statt Trübsal zu blasen hat die kreative Hannah die Auszeit sinnvoll genutzt. Das Ergebnis lässt sich sehen: Aus dem Osterfestival wurde das Oktoberfestival.

Leider hat sich in der Anfangszeit der Corona-Krise herauskristallisiert, dass Kultur nicht immer den Stellenwert bekommt, den sie verdient. Hannah Crepaz ist überzeugt, dass uns die Corona-Krise gezeigt hat, wie wichtig Kunst und Kultur für die Gesellschaft sind, aber auch ein ausschlaggebender Motor für den Tourismus darstellen. Was wäre eine Stadt ohne ein lebendiges kulturelles Leben? Hannah ist sehr froh, dass die kulturelle Landschaft weiterexistieren kann, wenngleich die Unsicherheit bestehen bleibt.

Ich bedanke mich für das anregende Gespräch, und wünsche mir, dass wir alle, die wir durch Kultur – egal in welcher Form – bewegt werden, bald zu einer guten neuen Normalität zurückkehren.

Das Oktoberfestival findet vom 20. Oktober bis 30. November 2020 statt. Das Programm von musik+ 2020/21 beginnt am 27. Oktober mit einem Konzert von „Jordi Savall und Freunde“ mit dem Titel „Zuflucht im Erinnern“ im Haller Salzlager. Nähere Informationen unter: https://www.musikplus.at/

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